Wer einen Besteckkasten erbt, stellt meist zuerst eine Frage: Ist das echtes Silber – oder nur versilbert? Die Antwort steht fast immer auf dem Besteck selbst, in kleinen Stempeln auf der Rückseite der Griffe. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen, wie Sie diese Stempel lesen, was die Zahlen bedeuten und worauf es ankommt, wenn Sie Silberbesteck verkaufen möchten.
Besteck-Stempel auf einen Blick
Die wichtigste Unterscheidung vorweg: Zahlen wie 800, 835 oder 925 geben den Silbergehalt in Promille an – das Besteck ist aus massivem Silber. Zahlen wie 90 oder 100 beschreiben dagegen nur die Stärke einer dünnen Silberauflage auf einem anderen Metall.
| Stempel | Bedeutung | Echtes Silber? |
|---|---|---|
| 800 mit Halbmond und Reichskrone | 80 % Silber; in Deutschland ab 1888 | ja |
| 835 mit Halbmond und Reichskrone | 83,5 % Silber; bei deutschem Besteck verbreitet | ja |
| 925 oder „Sterling“ | 92,5 % Silber; international | ja |
| Schreitender Löwe | Sterlingsilber aus Großbritannien | ja |
| Minervakopf | Silber aus Frankreich (950 oder 800) | ja |
| 84, meist mit Stadtzeichen | Silber aus Russland (875) | ja |
| 12 oder 13 Lot, Stadtzeichen, Meistermarke | Silber aus der Zeit vor 1888 (750 bzw. etwa 812) | ja |
| 90 | Silberauflage: 90 g Silber auf 24 dm² Besteckoberfläche | nein – versilbert |
| 100, 120, 150 | dickere Silberauflage, sonst wie 90 | nein – versilbert |
| „versilbert“, „hartversilbert“, EPNS, „silver plated“ | Silberschicht auf Neusilber oder Messing | nein |
| Alpaka, Alpacca, Neusilber, Argentan | Kupfer-Nickel-Zink-Legierung ohne Silber | nein |
| nur ein Herstellername, keine Zahl | Material offen – weitere Zeichen und Gewicht prüfen | unklar |
Ein Hinweis in eigener Sache
Dieser Ratgeber soll Ihnen helfen, Ihr Besteck selbst einzuordnen. Bitte haben Sie Verständnis: Für die Bestimmung einzelner Stempel per Foto kann ich mir leider keine Zeit nehmen. Wenn Sie eine Besteckgarnitur oder einen Nachlass mit Silber verkaufen möchten, schreiben Sie mir gern über das Kontaktformular.
Versilbert erkennen: was 90, 100 und 150 bedeuten
Die Zahlen 90, 100 oder 150 sind keine Feingehaltsangaben. Sie stammen aus einer in Deutschland üblichen Güteregel für versilbertes Besteck: Die Zahl nennt, wie viele Gramm Silber auf 24 Quadratdezimeter Besteckoberfläche aufgetragen wurden – das entspricht ungefähr zwölf Löffeln und zwölf Gabeln. Auf einer ganzen 90er-Garnitur sitzen also nur rund 90 Gramm Silber, verteilt als hauchdünne Schicht. Höhere Zahlen bedeuten eine dickere, haltbarere Auflage, aber kein massives Silber.
Für den Verkauf heißt das: Versilbertes Besteck hat praktisch keinen Materialwert, denn die Silberschicht lässt sich nicht wirtschaftlich zurückgewinnen. Ob sich ein Verkauf trotzdem lohnt, hängt allein von Hersteller, Entwurf, Zustand und Vollständigkeit ab. Rechnen Sie bei versilbertem Besteck bitte nicht mit Silberpreisen.
💡 Gut zu wissen: Versilbertes Besteck verrät sich oft an abgegriffenen Stellen – etwa an Löffelrücken und Gabelzinken –, an denen gelbliches oder graues Metall durchscheint. Auch ein auffallend geringes Gewicht spricht für eine Versilberung.
Wo die Stempel am Besteck sitzen
Die Stempel sind klein und oft schon etwas abgegriffen. Mit einer Lupe und schräg einfallendem Licht lassen sie sich meist gut lesen. Typische Stellen:
- Gabeln und Löffel: Rückseite des Stiels, meist im unteren Drittel
- Messer: am Griff, oft am Übergang zur Klinge oder am Griffende – die Klinge selbst trägt meist nur „rostfrei“ oder einen Stahlstempel
- Servierteile: am Griffansatz oder auf der Rückseite der breitesten Stelle
Messer sind ein Sonderfall
Bei Silberbesteck sind Messer fast immer anders gebaut als Gabeln und Löffel: Die Klinge ist aus Stahl, der Griff ist hohl und mit einer Kittmasse gefüllt. Silber ist nur die Hülle des Griffs. Ein Messer wiegt deshalb deutlich mehr, als an Silber darin steckt. Wenn Sie das Gewicht Ihrer Garnitur selbst ermitteln, wiegen Sie die Messer am besten getrennt und rechnen sie nicht mit ihrem vollen Gewicht ein.
Bekannte Hersteller auf deutschem Besteck
Neben Feingehalt sowie Halbmond und Krone tragen die meisten Bestecke einen Herstellernamen oder ein Kürzel. Viele Häuser haben sowohl Echtsilber als auch versilbertes Besteck gefertigt – der Name allein sagt deshalb nichts über das Material. Entscheidend ist immer die Zahl daneben.
| Hersteller | Sitz | Was man häufig findet |
|---|---|---|
| WMF | Geislingen an der Steige | sehr viel versilbertes Besteck (90/100), daneben auch Echtsilber |
| Bruckmann & Söhne | Heilbronn | vor allem Echtsilber (800/835) |
| Koch & Bergfeld | Bremen | Echtsilber, klassische Muster |
| Wilkens | Bremen | Echtsilber und versilbert |
| Robbe & Berking | Flensburg | Echtsilber und versilbert |
| Christofle | Paris | überwiegend versilbert, Echtsilber seltener |
| Georg Jensen | Kopenhagen | Sterlingsilber, bekannte Entwürfe |
In Württemberg begegnen mir außerdem häufig Bestecke aus Schwäbisch Gmünd, einem traditionellen Zentrum der Silberwarenherstellung. Ein ausführliches Verzeichnis der Zeichen finden Sie in meinem Ratgeber Silberpunzen lesen.
Was den Ankaufspreis von Silberbesteck bestimmt
Grundlage ist bei echtem Silberbesteck der Materialwert: Silbergewicht mal Feingehalt mal Tageskurs. Wie sich das im Einzelnen berechnet, erkläre ich im Ratgeber Silber verkaufen: Wie sich der Ankaufspreis berechnet. Neben dem Materialwert achte ich auf:
- Vollständigkeit: Garnituren für sechs oder zwölf Personen, Servierteile, Sonderteile wie Fischbesteck
- Hersteller und Entwurf: bekannte Muster sowie Entwürfe aus Jugendstil und Art déco
- Zustand: Dellen, abgenutzte Zinken, Reparaturen oder ausgeschliffene Monogramme
- Originalkasten: ein Plus, aber keine Voraussetzung
Ob 800, 835 oder 925 – alle drei sind massives Silber. Was die Unterschiede für den Wert bedeuten, lesen Sie im Ratgeber 925 Silber verkaufen.
Häufige Irrtümer
| Irrtum | Tatsächlich |
|---|---|
| „90 ist doch fast wie 900.“ | 90 bezeichnet eine dünne Silberauflage, keinen Feingehalt. Das Besteck ist versilbert. |
| „800 ist minderwertig gegenüber 925.“ | Beides ist massives Silber. Der Unterschied liegt im Silberanteil, nicht in der Echtheit. |
| „Je glänzender, desto wertvoller.“ | Putzen ändert am Silbergehalt nichts. Starkes Polieren trägt eher Stempel und Oberfläche ab. |
| „Ohne Kasten ist das Besteck nichts wert.“ | Das Silber hat seinen Wert auch ohne Kasten. Ein Originalkasten ist ein Plus, aber keine Bedingung. |
| „Ein Messer wiegt am meisten, also steckt dort das meiste Silber.“ | Messergriffe sind meist hohl und mit Kitt gefüllt, die Klinge ist aus Stahl. |
So läuft der Verkauf bei mir ab
Beschreiben Sie mir Ihr Besteck über das Kontaktformular: Welche Zahlen stehen auf den Teilen, wie viele Teile sind es ungefähr, ist ein Herstellername zu erkennen? Fotos vorab helfen mir, den Termin vorzubereiten.
Das Besteck sehe ich mir dann in meinen Geschäftsräumen in Nürtingen an oder bei einem Termin vor Ort. Sie müssen nichts putzen oder sortieren. Ich prüfe die Teile, wiege das Silber und erkläre Ihnen, wie sich mein Angebot zusammensetzt.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich, ob mein Besteck echtes Silber ist?
Echtes Silberbesteck trägt eine Feingehaltszahl wie 800, 835 oder 925, in Deutschland ab 1888 zusammen mit Halbmond und Reichskrone. Zahlen wie 90, 100 oder 150 bedeuten dagegen, dass das Besteck versilbert ist. Steht nur ein Herstellername auf den Teilen, helfen weitere Zeichen und das Gewicht weiter.
Was bedeutet die 90 auf meinem Besteck?
Die 90 zeigt, dass das Besteck versilbert ist: Auf 24 Quadratdezimeter Oberfläche – das entspricht etwa zwölf Löffeln und zwölf Gabeln – wurden 90 Gramm Silber aufgetragen. Es handelt sich nicht um massives Silber.
Ist versilbertes Besteck etwas wert?
Einen Materialwert hat versilbertes Besteck praktisch nicht, weil sich die dünne Silberschicht nicht wirtschaftlich zurückgewinnen lässt. Ein Wert kann sich nur aus Hersteller, Entwurf, Zustand und Vollständigkeit ergeben – das ist eher die Ausnahme.
Lohnt sich der Verkauf auch bei unvollständigen Garnituren?
Bei echtem Silber ja: Der Materialwert hängt am Silbergewicht, nicht an der Vollständigkeit. Vollständige Garnituren bekannter Hersteller werden darüber hinaus anders beurteilt als einzelne Teile.
Soll ich das Besteck vor dem Verkauf putzen?
Nein. Am Silbergehalt ändert Putzen nichts, und starkes Polieren kann Stempel und Oberfläche abtragen. Bringen Sie das Besteck so, wie es im Kasten liegt.
Sie möchten Ihr Silberbesteck verkaufen?
Beschreiben Sie mir Ihr Besteck über das Kontaktformular – am besten mit den Zahlen auf den Teilen und der ungefähren Anzahl. Eine Bestimmung einzelner Stempel per Foto biete ich nicht an.





